(Un)Leistbares Wohnen – Wege aus Versorgungskrisen

Das Forum Wohnungslosenhilfe (FWLH) Salzburg legt mit „(Un)Leistbares Wohnen – Wege aus der Versorgungskrise “ ein POSITIONSPAPIER vor, das die Erfahrungen aus mehr als 30 Jahren Wohnungslosenhilfe mit aktuellen Daten, wissenschaftlichen Erkenntnissen und konkreten fachpolitischen Forderungen verbindet. Im Zentrum steht eine Frage: Was sagt uns Wohnungslosigkeit über unserer Gesellschaft und über unser Wohn- Sozial- und Gesundheitssystem? Und was braucht es, damit Wohnungs- und Obdachlosigkeit nicht nur bewältigt, sondern nachhaltig verhindert und beendet werden kann?

Wir als FWLH sind seit Anfang der 1990er Jahre ein Ort des fachlichen Austauschs und der gemeinsamen Beobachtung von Entwicklungen an den Schnittstellen von Wohnen, Sozialem und Gesundheit. Die jährlichen Wohnbedarfserhebungen, die Arbeit mit Menschen in Wohnungsnot sowie der Austausch mit Politik, Verwaltung und Wohnbauträgern zeigen dabei immer wieder: Wohnungslosigkeit ist kein Naturgesetz, vielmehr Ausdruck struktureller Bedingungen und bestehender Versorgungslücken.

Aus dieser langjährigen fachlichen Arbeit ist dieses Positionspapier entstanden. Expert*innen aus dem Netzwerk haben ihre Erfahrungen und Perspektiven eingebracht. Gemeinsam mit Daten aus der Salzburger Wohnbedarfserhebung und dem European Homelessness Count entsteht so ein differenzierter Blick auf Wohnversorgungskrisen in Salzburg.

Wohnungslosigkeit beginnt nicht erst auf der Straße

Die zentrale Botschaft des Papiers ist klar: Wohnungslosigkeit ist kein individuelles Versagen, sondern entsteht im Zusammenspiel persönlicher Krisen und struktureller Risiken. Krankheit, Trennung, Arbeitslosigkeit oder der Verlust von Einkommen können zur existenziellen Krise werden, wenn leistbarer Wohnraum fehlt und soziale Sicherungssysteme Lücken aufweisen.

Damit fordert das Papier einen Perspektivwechsel: Wohnungsnot muss früher erkannt, der Wohnungsnotfall verhindert werden. Prävention, Intervention und die nachhaltige Beendigung von Wohnungslosigkeit gehören zusammen. Dafür braucht es leistbaren und dauerhaft gesicherten Wohnraum, frühzeitige Unterstützung bei drohendem Wohnungsverlust und funktionierende Übergänge zwischen den Versorgungssystemen.

Wohnraum ist soziale Infrastruktur

Im Zentrum steht deshalb die Frage nach den strukturellen Bedingungen des Wohnens. Hohe Wohnkosten, fehlender leistbarer Wohnraum, Leerstand, Zweckentfremdung und weitere Zugangshürden verschärfen Wohnungsnot und soziale Ungleichheit.

Wohnen ist damit weit mehr als die Versorgung mit einem Dach über dem Kopf. Eine eigene, leistbare und dauerhaft gesicherte Wohnung ist Voraussetzung für soziale Teilhabe, gesundheitliche Stabilität und Selbstbestimmung. Oder, wie es Johannes Stabentheiner formuliert: „Wohnen ist das topografische Zentrum der Existenz.“

Wer wird von den Systemen nicht erreicht?

Das Positionspapier richtet den Blick deshalb auch auf jene Wohnungsnotlagen und Bedarfe, die häufig übersehen werden, wie bspw. Frauenwohnungslosigkeit, Wohnungsnot von Kindern und Jugendlichen, strukturelle Zugangsbarrieren für Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte, psychische Erkrankungen, Pflegebedarf bei wohnungs- und obdachlosen Menschen und die Gesundheit im Allgemeinen. Denn Wohnungslosigkeit raubt Lebenszeit, wohl einer der eindringlichste Befunde im Positionspapier.

Auch die Datenlage selbst ist ein Thema. Die langjährigen Wohnbedarfserhebungen und der European Homelessness Count zeigen, wie wichtig kontinuierliche und differenzierte Datenerhebung ist. Wer Wohnungsnot wirksam bekämpfen will, muss wissen, wer betroffen ist, in welcher Situation Menschen leben und welche Unterstützung sie benötigen.

Vom Reparieren zum Verhindern

Das Positionspapier versteht Wohnungslosigkeit daher als gemeinsame gesellschaftliche und politische Verantwortung. Es geht nicht nur um die Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe, sondern um ein Zusammenspiel von Wohnungs-, Sozial- und Gesundheitspolitik. Die Wohnungslosenhilfe soll dabei nicht erst dann einbezogen werden, wenn Krisen bereits eingetreten sind, sondern ihr Wissen frühzeitig in Planung und politische Entscheidungen einbringen können.

Denn Wohnungsnot ist kein Randthema. Sie zeigt, wo gesellschaftliche Systeme an ihre Grenzen kommen. Das Positionspapier will deshalb nicht nur Problemlagen beschreiben, sondern die Diskussion darüber eröffnen, wie Versorgungskrisen früher erkannt, strukturelle Risiken reduziert und Wege aus der Wohnungsnot tatsächlich möglich werden.

Zum gesamten Posititionspapier geht´s hier, eine Kurzfassung findet ihr hier.

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