Das bisherige Wohnleitbild der Stadt Salzburg stammte aus dem Jahr 2005 und entsprach längst nicht mehr den aktuellen wohnungspolitischen Herausforderungen. Steigende Wohnkosten, knapper Wohnraum, veränderte Wohn- und Lebensformen, demografische Entwicklungen sowie die Anforderungen an Klimaschutz und soziale Teilhabe machten eine grundlegende Neuorientierung notwendig. Mit dem Wohnleitbild 2040 liegt nun erstmals ein umfassender strategischer Rahmen vor, der die unterschiedlichen Bereiche der städtischen Wohnungspolitik zusammenführt.
Ein breit angelegter Beteiligungsprozess
Die Erarbeitung erfolgte über rund zehn Monate und sollte ausdrücklich unterschiedliche Perspektiven zusammenführen. Den Auftakt bildete im August 2025 ein interner Kick-off. Danach folgten Workshops mit sozialen Organisationen, der Stadtverwaltung, gemeinnützigen und gewerblichen Bauträgern sowie Hausverwaltungen und Hausbetreuungen. Ergänzend wurde im Mai und Juni 2026 eine öffentliche Onlinebefragung durchgeführt, an der 1.220 Menschen teilnahmen. Auch die politischen Fraktionen wurden in die Entwicklung einbezogen. Insgesamt waren laut Wohnleitbild 1.306 Personen am Prozess beteiligt. Wissenschaftliche Grundlagen und fachliche Policy-Briefings ergänzten den Beteiligungsprozess.
Damit wurde ein Ansatz gewählt, der fachliche Expertise, wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen aus der Wohnungswirtschaft und Sozialarbeit sowie die Perspektive der Bevölkerung miteinander verbindet.
11 Handlungsfelder – 80 konkrete Vorhaben
Das Wohnleitbild umfasst elf Handlungsfelder und 80 konkrete Vorhaben. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Wohnbedarfe, Leistbarkeit, Wohngerechtigkeit, Wohnzufriedenheit, Bodenpolitik, der Umgang mit dem Wohnungsbestand, Quartiersentwicklung, Mobilität, Innovation im Wohnbau und die Eindämmung von Fehlnutzungen von Wohnraum.
Besonders relevant aus Sicht der Wohnungslosenhilfe sind drei Bereiche:
1. Wohnbedarfe sollen genauer erhoben werden.
Die Stadt erkennt an, dass sich Wohnbedarf nicht allein aus allgemeinen Bevölkerungsstatistiken ableiten lässt. Spezifische Wohnbedarfe – ausdrücklich auch jene wohnungsloser Menschen, psychisch erkrankter Menschen, Frauen in Notlagen, Menschen in prekären Lebenslagen sowie Jugendlicher und junger Erwachsener – sollen künftig regelmäßig und gemeinsam mit Sozial- und Wohnungsloseneinrichtungen erhoben werden.
2. Wohnungslosigkeit wird als wohnungspolitische Aufgabe verstanden.
Das Leitbild benennt die Schließung von Lücken in der Wohnungslosenhilfe ausdrücklich als eigenes Vorhaben. Nach dem Housing-First-Prinzip sollen Angebote des Notwohnens ausgebaut werden.
3. Wohngerechtigkeit wird als Grundsatz verankert.
Das Leitbild versteht Wohngerechtigkeit als Zugang zu leistbarem und sicherem Wohnraum unabhängig von Einkommen, Lebenslage oder Herkunft. Besonders bemerkenswert ist die ausdrückliche Feststellung, dass befristete Mietverhältnisse, die sich ja als Preistreiber erweisen, zusätzliche Unsicherheit erzeugen und dass unbefristete Mietverträge im gemeinnützigen Wohnbau einen hohen Standard darstellen.
Wohnungslosigkeit wird sichtbar
Das Wohnleitbild nimmt dabei auch die Dimension der Wohnungslosigkeit in Salzburg in den Blick. Es verweist auf den European Homelessness Count 2025 und hält fest, dass in der Stadt 910 Menschen keine Wohnung hatten. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Wohnungslosigkeit häufig unsichtbar bleibt – etwa wenn Menschen bei Freund:innen oder Verwandten unterkommen oder in temporären Unterkünften ohne Mietvertrag leben.
Das ist aus Sicht des Forum Wohnungslosenhilfe ein wichtiger Schritt: Wohnungslosigkeit wird nicht ausschließlich als individuelles soziales Problem betrachtet, sondern als Teil der strukturellen Wohnungsfrage.
Ein wichtiger Schritt – entscheidend wird die Umsetzung
Mit dem Wohnleitbild 2040 liegt damit ein ambitionierter wohnungspolitischer Rahmen vor. Für die nächsten Jahre wird entscheidend sein, ob aus den 80 Vorhaben tatsächlich konkrete Veränderungen entstehen: mehr leistbarer Wohnraum, ein besserer Zugang zu Wohnungen für Menschen in Wohnungsnot, die Sicherung bestehender leistbarer Wohnungen und eine kontinuierliche Erhebung jener Wohnbedarfe, die am regulären Wohnungsmarkt bislang zu wenig berücksichtigt werden.
Gerade für das Forum Wohnungslosenhilfe wird daher die Frage interessant sein, wie konsequent die im Wohnleitbild formulierten Ansprüche in der Praxis umgesetzt werden – und ob dadurch tatsächlich mehr Menschen von der Wohnungslosigkeit in dauerhaft gesicherten Wohnraum gelangen.
Das Wohnleitbild 2024 findet ihr hier.
