Achtung: Hitze gefährdet die Gesundheit und das Leben

Petra Geschwendtner

© tvbayernlive/Pixabay

Diesen Sommer haben sie uns fest im Griff – Hitzewellen und -warnungen mit extrem hohen Temperaturen. Nächtens gibt es kaum Abkühlung und Erholung. Die hitzebedingten Todesfälle steigen. Die hohen Temperaturen machen älteren sowie chronisch kranken Menschen, Säuglingen sowie Kleinkindern und schwangere Frauen schwer zu schaffen. An dieser Stelle sollen nun jene Menschen in den Vordergrund gerückt werden, die kein Dach über dem Kopf haben, obdachlos sind, und sich überwiegend im öffentlichen Raum aufhalten müssen.

Obdachlosigkeit ist ein Gesundheitsrisiko. Wie wir aus Studien hinlänglich wissen, sterben obdachlose Menschen ca. 20 Jahre früher. Allerdings zeigt sich bei diesen sommerlichen Witterungsverhältnissen, dass die extreme Hitze für obdachlose Menschen ebenso lebensbedrohlich wie extreme Kälte werden kann. Während im Winter in Österreich oft Winterpakete mit zusätzlichen Notschlafplätzen und Kältehilfen bereitgestellt werden, fehlen vergleichbare Schutzmechanismen bei Hitzewellen häufig. Obdachlose Personen haben oft keinen Rückzugsort, keinen Zugang zu gekühlten Räumen oder sie verweilen an Schattenplätzen, von denen sie vertrieben werden. Sie verfügen oft über unzureichenden Zugang zu Trinkwasser und trinken daher zu wenig, was leicht zur Dehydrierung und zum Hitzeschlag führen kann. Auch Duschmöglichkeiten sind nur begrenzt verfügbar, wodurch sich die vielen Insektenstiche leicht entzünden können. Die Haut bleibt ungeschützt ohne Sonnencreme, der Sonnenbrand ist vorprogrammiert. Bestehende chronische Erkrankungen können sich durch die Hitzebelastung zudem verschlechtern, der permanente Hitzestress führt zusätzlich zur psychischen Belastung und anderen gesundheitlichen Belastungen. Spannend dazu auch die Videoreportage des Standards.

Hier wird einmal mehr sichtbar, wie die Klimakrise bestehende Ungleichheiten verschärfen kann. Wir alle leiden unter der Hitze, doch jede*r von uns geht anders mit Extremtemperaturen um, jeweils abhängig von ökonomischen und ökologischen Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten. Einkommensschwache und armutsbetroffene Haushalte in oft älteren Mietwohnungen im mehrgeschossigen Wohnbau leiden ebenso sehr unter der Hitze, doch insbesondere obdachlose Menschen sind besonders hart davon betroffen.

Das Amnesty-International-Briefing „Die Hitze ist genauso ein Killer wie die Kälte“ – 2022 als Teil der Kampagne zum Recht auf Wohnen von Amnesty International Österreich veröffentlicht – fordert dazu u.a. folgende Maßnahmen:

  • eine menschenrechtsbasierte nationale Strategie gegen Wohnungs- und Obdachlosigkeit
  • einen gleichwertigen Schutz vor Hitze und Kälte
  • den Ausbau von kühlen Aufenthaltsräumen, Trinkwasserstellen und Duschmöglichkeiten
  • einen niederschwelligen Zugang zur Gesundheitsversorgung
  • die Berücksichtigung wohnungs- und obdachloser Menschen in Hitzeaktionsplänen
  • langfristig die Bekämpfung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit als wirksamsten Gesundheitsschutz

Wie immer ist auch hier eine politische Verschränkung von Wohn-, Sozial- und Gesundheitspolitik verbunden mit klugen räumlichen Entwicklungskonzepten für Alle von Nöten. Nur gemeinsam kann die Situation der Betroffenen nachhaltig verbessert werden. Da uns der Klimawandel auch in den zukünftigen Sommermonaten keine Verschnaufpause verschaffen wird, sind hier wohl rasche Maßnahmen und Strategien angebracht!

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