Prime Minister prioritises homelessness

Gerade erst hat er die Geschäfte von seinem Parteikollegen Keir Starmer übernommen, schon möchte der britische Premierminister Andy Burnham die Bekämpfung von Obdach- und Wohnungslosigkeit zu einer zentralen Regierungsaufgabe machen. Obdachlosigkeit in England hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen, die Zahlen* befinden sich auf einem Höchststand und wird dies mittlerweile als eine der größten sozialen Herausforderungen angesehen.

Obdachlosigkeit sieht Burnham nicht als gesellschaftliches Problem, sondern vermeidbar durch politische Entscheidungen. Dem Grundsatz folgend „Everything starts with a good home“ möchte er Housing First als nationale Leitphilosophie und -strategie etablieren, somit einen Paradigmenwechsel vollziehen und insbesondere Langzeitobdachlosigkeit beenden. Dabei baut Burnham auf seine Erfahrungen aus seiner Zeit als Bürgermeister von Greater Manchester, wo er Programme wie „A Bed Every Night“ – ein niedrigschwelliges Angebot, das Menschen ohne Vorbedingungen Unterkunft und Unterstützung bietet – und Housing First etablierte. Burnham kündigt an, die nationale Regierung, Kommunen und Sozialorganisationen enger zusammenarbeiten zu lassen und die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen. Zur Berichterstattung von Matt Downie in The New Statesman gehts hier.

The Guardian ergänzt diese Perspektive um eine kritische fachliche Einordnung und beleuchtet vielmehr die Frage, unter welchen Voraussetzungen das Ziel überhaupt erreichbar ist. Fachorganisationen der Wohnungslosenhilfe sowie Wohlfahrtsverbände begrüßen Burnhams Intentionen ausdrücklich, warnen gleichzeitig vor überhöhten Erwartungen. Sie sehen „Rough Sleeping“ als die Spitze des Eisberges und somit sichtbarer Ausdruck einer viel größeren Wohnungs- und Sozialkrise. Hinter jeder wohnungs- und obdachlosen Person stehen strukturelle Problem wie Wohnungsmangel, steigende Mieten, Armut, psychische Erkrankungen und prekäre Lebenslagen. Ohne nachhaltige Veränderungen durch Reformen in mehreren Politikfeldern – insbesondere im sozialen Wohnungsbau, in der Sozialpolitik, im Gesundheitswesen und in der Prävention – wird das Ziel nicht erreichbar sein. Und eine systematische enge Verzahnung von Wohnen, Gesundheit und Soziales ist zur Zielerreichung unumgänglich.

* Wer sich für die konkrete Datenlage in England interessiert, sei verwiesen auf das Office for National Statistics. Zur Info eine kurze Tabellenübersicht einer doch sehr differenzierten Datenstatistik.

IndikatorOffizielle Zahl
Menschen, die in einer Herbstnacht auf der Straße schliefen (Rough Sleeping Snapshot 2025)4.793 Personen
Haushalte, bei denen zwischen Oktober und Dezember 2025 eine Wohnungslosigkeit festgestellt wurde (Statutory Homelessness Assessments)84.250 Haushalte
Haushalte, denen Präventions- oder Unterstützungspflichten (Prevention oder Relief Duty) zugesprochen wurden76.280 Haushalte
Haushalte in temporären Unterkünften (31. Dezember 2025)131.140 Haushalte
Davon Haushalte mit Kindern69.790 Haushalte
Kinder in temporären Unterkünften175.990 Kinder

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