Petra Geschwendtner
In einer Stadt mit knappem und teurem Wohnraum ist nicht nur entscheidend, wie viele Wohnungen gebaut werden, sondern auch, wie vorhandener Wohnraum genutzt wird. Doch wie viel Wohnraum steht Salzburg tatsächlich zum Wohnen zur Verfügung?
Eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Salzburg unter Leitung von Christian Smigiel zeigt: Die Regulierung der Kurzzeitvermietung in der Stadt Salzburg wirkt – doch der Druck auf den Wohnungsmarkt bleibt bestehen.
Die Langzeitstudie untersucht die Entwicklung der Kurzzeitvermietungen in Salzburg von 2018 bis 2025. Das Ergebnis lässt sich mit zwei Begriffen zusammenfassen: Rückgang und Persistenz. Die Zahl der Airbnb-Angebote ist gegenüber 2018 um knapp 30 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig hat sich die Struktur des Marktes kaum verändert: Fast 80 Prozent der Angebote betreffen weiterhin ganze Wohnungen oder Wohneinheiten.
Maßgeblich für die Wohnungspolitik: Ein erheblicher Teil dieser Wohnungen wird über längere Zeiträume angeboten und steht damit dem regulären Wohnungsmarkt nicht zur Verfügung. Die Studie zeigt zudem, dass der Markt zunehmend von professionelleren Anbieter:innen geprägt ist und Kurzzeitvermietung längst nicht mehr nur mit dem ursprünglichen Gedanken des „Homesharing“ gleichzusetzen ist.
Regulierung wirkt – aber der Markt weicht aus
Die Studie bestätigt, dass Regulierung und konsequente Kontrollen Wirkung zeigen. Seit 2022 wurden in Salzburg zahlreiche Fälle illegaler Kurzzeitvermietung aufgegriffen und Wohnungen wieder dem regulären Wohnungsmarkt zugeführt.
Gleichzeitig zeigt sich eine neue Entwicklung: Anbieter:innen weichen zunehmend auf mittelfristige Vermietungen von einem bis sechs Monaten sowie auf Mikrohotels aus. Die Wissenschaft spricht in diesem Zusammenhang von einer zunehmenden „Hotelisierung“ des Wohnens. Damit verändert sich das Problem, verschwindet aber nicht.
Was bedeutet das für Salzburgs Wohnungspolitik?
Für uns als Forum Wohnungslosenhilfe hat dieser Befund in punkto Bestandspolitik besondere Relevanz. In einer Stadt mit knappem und teurem Wohnraum geht es darum, die Zweckentfremdung von Wohnraum zu unterbinden und diesen für das dauerhafte Wohnen zu sichern. Das neue Wohnleitbild 2040 der Stadt Salzburg greift diese Problematik unter dem Thema Fehlnutzung von Wohnraum auf. Kurzzeitvermietungen und andere Nutzungsformen, die Wohnraum dem regulären Wohnungsmarkt entziehen, sind relevanter Bestandteil der strukturellen Wohnungsfrage und müssen immer Teil einer umfassenden Wohnraumpolitik sein.
Für das Forum Wohnungslosenhilfe lässt sich daraus konstatieren:
- Wohnraumschutz ist Wohnungspolitik! Nicht nur der Neubau, sondern auch die Nutzung des vorhandenen Wohnungsbestandes entscheidet über die Verfügbarkeit von Wohnraum.
- Wohnungslosigkeit und Wohnraumentzug stehen in einem strukturellen Zusammenhang: Wo leistbarer Wohnraum knapp ist, verschärft jeder dauerhaft dem regulären Wohnungsmarkt entzogene Wohnraum den Konkurrenzdruck.
- Neue Ausweichbewegungen („Hotelisierung“) brauchen politische Antworten: Besonders Mikrohotels und mittelfristige Vermietungsmodelle gilt es wohnungspolitisch im Blick zu behalten.
Zum Thema Kurzzeitvermietung findet sich ein aktueller Artikel im Profil.
