Wohnungslose Frauen – Teil 1

Verfasst von Mag.a Birgit Thaler-Haag (Frauenhaus Salzburg)

Am 09.04.2019 fand der Tag der Wohnungsnot mit inhaltlichem Schwerpunkt Wohnungslose Frauen in Salzburg statt.

Warum war es uns besonders wichtig, heuer den Tag der Wohnungsnot unter dem Thema „Wohnen in Salzburg“ und in diesem Zusammenhang „Wohnungslose Frauen“ zu stellen?

Obwohl seit Jahren wohnungslose Frauen gesondert in der Salzburger Wohnbedarfserhebung (siehe hier) aufscheinen und es von 2017 auf 2018 eine Steigerung von 12,99% gegeben hat, fehlen uns trotzdem reale Zahlen zur Wohnungslosigkeit von Frauen. Vor allem Frauen mit Kindern sind besonders von der sogenannten „versteckten Wohnungslosigkeit“ betroffen. Denn Notschlafstellen, in denen hauptsächlich Männer übernachten, schrecken Frauen meist ab, v.a. wenn sie auch Kinder haben. Und spezielle betreute Wohneinrichtungen für Frauen mit Kindern gibt es in Salzburg nicht. Bei uns im Frauenhaus rufen immer wieder Frauen an, die z.B. nach Trennungen/Scheidungen wohnungslos werden. Ca. ein Drittel aller Anfragen um Aufnahme betreffen Frauen, die meisten mit Kindern, die nicht wissen, wohin.

Von anderen Frauenberatungseinrichtungen hören wir auch, dass die Wohnungslosigkeit vermehrt ältere Frauen trifft. Sie haben nur eine kleine Pension und können sich damit die Wohnung nach dem Tod des Partners nicht mehr leisten. Auch Frauen, die an psychischen Beeinträchtigungen leiden, sind betroffen, wenn z.B. aufgrund eines Kranken- oder Therapieaufenthaltes keine Unterstützung bei der Miete mehr gewährt wird.
Die Wohnbedarfserhebung 2018 hat auch ergeben, dass die Zahl der Frauen, die von Delogierung bedroht sind oder in unsicheren und ungenügenden Wohnsituationen leben, stark angestiegen ist.

Wohnungslosigkeit von Frauen ist trotzdem oft nicht sichtbar. Dass die Frauen nicht so auffallen, hat verschiedene Gründe: Manche bleiben aufgrund mangelnder Alternativen trotz massiver Probleme oder sogar nach der Scheidung noch bei Ehepartnern, was natürlich nicht funktioniert. Viele schlüpfen bei Familie oder bei Bekannten unter, meist in schnellem Wechsel. Auch sogenannte „Zweckpartnerschaften“ sind häufig. Weniger schön formuliert: Da geht es oft darum, dass sie zu Männern ziehen, die sie kaum kennen und um sexuelle Gefälligkeiten für einen Schlafplatz. Sehr häufig kommt es in der Folge zu körperlichen, sexuellen und psychischen  Gewaltübergriffen auf sie.

Oft müssen wir feststellen, dass besonders wenn Kinder mitbetroffen sind, Frauen viel Leid auf sich nehmen, damit ihre Wohnungslosigkeit nicht auffällt und um ja nicht das Sorgerecht zu verlieren. Deshalb und auch aus Scham melden sich die Frauen sehr spät, meist erst, wenn gegen die Delogierung nichts mehr unternommen werden kann oder diese schon stattgefunden hat oder wenn sie tatsächlich auf der Straße stehen.

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