Petra Geschwendtner
Es ist wieder soweit – 8. März Weltfrauentag.
Mit ihm rückt der Gender Gap mitsamt den geschlechtsspezifischen Benachteiligungen wieder in die Öffentlichkeit, ins Bewusstsein, ins mediale und politische Interesse, in Diskurse und Konfrontationen. Ganz ehrlich, ich persönlich bin ihn leid, den weiblichen Gap. Mehrmals im Jahr – und schon so viele Jahrzehnte – tritt er in die Öffentlichkeit und ins Bewusstsein.
So aktuell eine Pressemitteilung von Statistik Austria, die auf einen Gender Pay Gap in Österreich für das Jahr 2024 auf 17,6 % hinweist. Und ja, die Lücke wurde in den letzten Jahren kleiner (2014: 22,2 %), allerdings befindet sich Österreich im EU-Vergleich auf dem dritthöchsten Gender Pay Gap!

Eine Bildungsoffensive wär hier Fehl am Platz. Die traditionellen geschlechtsspezifischen Unterschiede im Bildungsniveau haben abgenommen, die Frauen* in Österreich sind bei der Bildung mittlerweile voraus, so verfügen 33,2 % der Frauen* und 27,6 % der Männer im Alter von 25 bis 64 Jahren über den Abschluss einer mittleren oder höheren Schule. Der Anteil der Frauen* mit dem Abschluss einer Hochschule oder Akademie mit 23,5 % liegt ebenfalls über jenem der Männer mit 18,5 %.
Die Lohndifferenz und nicht zu vergessen – der Gender Care Gap – bescheren den Frauen* dann niedrigere Transferleistungen, so folgt der Arbeitslosen Gender Gap (Frauen* erhalten ca. 17 % weniger als Männer).
Der Gender Pension Gap schlägt mit unglaublichen 40,3 % noch viel mehr ins Gewicht, d.h. Frauen* erhalten in Österreich um unfassbare 40,3 % weniger Pension als Männer. All jenes, was zuvor als Ungleichbehandlung sichtbar wird, bündelt sich ökonomisch beim Antritt der Pension. Das muss man sich erst mal vor Augen halten. Laut Sophie Achleitner vom Momentum-Institut lebt die Hälfte der alleinlebenden Pensionistinnen in Armut und wird sich dieser Gap erst in 90 (!!!) Jahren schließen!

Und das, obwohl Frauen* insgesamt mehr Arbeitsstunden leisten:

Dabei gibt es beim pensionsrechtlichen Leistungssystem formalrechtlich gar keinen Geschlechterunterschied, allerdings erweist sich das 2005 in Kraft getretene Pensionsharmonisierungsgesetz mit der neuen Regelung in Hinblick auf die Bemessungsgrundlage als äußert nachteilig für die weiblichen Lebenslagen und somit für die Pensionshöhe von Frauen*. Während im alten Pensionsrecht die besten 15 Einkommensjahre als Bemessungsgrundlage herangezogen wurden, sind es bei den APG-Pensionen die besten 40 Jahre, die Anpassung der Mischsysteme erfolgt kontinuierlich bis 2028 durch schrittweise Anhebung der Anzahl der Beitragsmonate. Relevanz hat dieser Umstand jedenfalls für weibliche Berufsbiografien, die durch längere Phasen von Kindererziehungszeiten gepaart mit erforderlichen Teilzeitbeschäftigungen geprägt sind. Bei gleichzeitiger Berücksichtigung der niedrigen Frauen*erwerbseinkommen bietet diese Tatsache auch in Zukunft keine guten Aussichten für Pensionsbezieherinnen. Altersarmut ist und bleibt weiblich! Doch wen juckt´s?
Uns Frauen* sollte es jucken, wir dürfen diesen „Normalisierungszustand“ nicht einfach als gegeben hinnehmen. Unsere weiblichen Lebensentwürfe finden in unserem Sozialschutzsystem zu wenig Berücksichtigung, im Versorgungs- resp. Risikofall sind wir nicht ausreichend abgesichert.
Warum verharrt Österreich nach wie vor auf einem so hohen Gap Niveau? Warum sind bei uns die Frauen*berufe schlechter bewertet, warum die vertikale und horizontale Segregation (unterschiedliche Berufsfelder und Hierarchie-Ebenen) kein Stein des Anstoßes. Warum ist die Sozialpolitik androzentrisch ausgelegt? Warum lassen sich die Frauen* – immerhin die Hälfte der Bevölkerung – das gefallen? Machen wir´s doch Island gleich, welches bereits vor 50 Jahren mit einem Frauen*streik den Weg zur gleichberechtigten Gesellschaft beschritten hat. Der Film „Ein Tag ohne Frauen“ als dokumentarisches Zeitzeugnis dieses Frauen*streiks ist übrigens sehr empfehlenswert.
Es wäre ein Einfaches, wenn alle Frauen* in Österreich an einem Tag die Arbeit niederlegen. Fangen wir am besten gleich am 8.3. mit dem Frauen*streik an. Wer nicht nach Wien kommt, in den Bundesländern gibt es auch Gelegenheit dazu, so auch in Salzburg.
